Um die Originalquelle eines zitierten Befunds zu finden, gehst du vom konkreten Satz zu seinem Literaturverweis und von dort zum genannten Werk. Anschließend prüfst du im beschafften Text, ob die Fundstelle die Aussage tatsächlich trägt. Ein passender Titel allein beendet die Suche noch nicht.
Diese Anleitung beginnt bei einer bereits vorhandenen Veröffentlichung, etwa einem Review oder Lehrbuch. Ihr Ergebnis ist eine dokumentierte Belegkette für einen einzelnen Befund – keine neue allgemeine Literatursuche und keine Garantie, dass jedes Original zugänglich ist.
Auf einen Blick
Öffne die Stelle, an der dir der Befund begegnet ist. Speichere die genaue Fundstelle mit Seitenzahl oder Abschnitt sowie den zugehörigen Kurzbeleg. Notiere separat, was du aus diesem Satz für deine eigene Argumentation ableiten möchtest.
Das verhindert eine häufige Verwechslung im Arbeitsablauf: Du suchst nicht irgendeine Studie zum gleichen Thema, sondern das Werk, auf das sich genau diese Aussage stützt. Falls mehrere Quellen hinter dem Satz stehen, bleibt zunächst offen, welche davon welchen Teil belegt.
Der methodische Grundgedanke ist die Rückwärtssuche: Die University of Sydney Library beschreibt „Backward chaining“ als das Verfolgen der Literaturangaben eines Ausgangsartikels. „Forward chaining“ führt dagegen zu späteren Werken, die ihn zitieren. Für die Herkunft eines Befunds beginnst du rückwärts. Quelle: University of Sydney Library, Citation chaining.
Suche den Kurzbeleg beziehungsweise die Belegnummer im Literaturverzeichnis. Kopiere den vollständigen Eintrag. Achte besonders darauf, ob du einen Zeitschriftenartikel, ein Buchkapitel, ein ganzes Buch oder einen Bericht vor dir hast.
Die Bibliothek der University of Leeds erläutert die dafür nützlichen Bestandteile: Artikel- und Zeitschriftentitel sind unterschiedliche Angaben; bei Kapiteln kommen die Angaben zum übergeordneten Buch hinzu. Jahr, Band, Heft, Seiten und DOI oder URL helfen bei der Zuordnung, soweit vorhanden. Quelle: University of Leeds Library, Ways to search.
Lehrbeispiel ohne reale Literaturangabe: Ein Review sagt, flexible Arbeitszeiten stünden mit Arbeitszufriedenheit in Zusammenhang. Hinter dem Satz steht eine Belegnummer. Du kopierst den dazugehörigen Literaturverzeichniseintrag, statt „flexible Arbeitszeiten Zufriedenheit“ zu suchen und den erstbesten Treffer als Original anzunehmen.
Diese Wege entsprechen den Such- und Zugangsoptionen der Cornell University Library. Deren konkrete Zugangsrechte und Servicekonditionen gelten allerdings für Cornell; sie sind keine Zusage für deine Bibliothek. Quelle: Cornell University Library, Finding Specific Article Citations und Finding Full-Text Articles.

Halte fest, welche Fassung du geöffnet hast: beispielsweise den Verlagsartikel, eine Manuskriptfassung in einem Hochschulrepositorium oder eine bestimmte Buchauflage. Übertrage eine Seitenangabe aus einem Review nicht ungeprüft auf eine anders gesetzte Fassung.
Suche nach Begriffen aus dem Befund und lies die betreffende Passage mit dem umgebenden Absatz. Prüfe anschließend, ob die Aussage ein eigenes Ergebnis des Werks ist oder dort erneut auf eine ältere Veröffentlichung verweist. Im zweiten Fall setzt du die Kette fort und dokumentierst den nächsten Verweis.
Im Lehrbeispiel müsstest du nun kontrollieren: Wurde wirklich flexible Arbeitszeit untersucht oder ein anderes Arbeitsmodell? Für welche Personengruppe und welchen Zeitraum gilt der Befund? Berichtet der Text einen Zusammenhang, während das Review daraus eine stärkere Wirkungsaussage macht? Das sind Prüffragen, keine behaupteten Ergebnisse einer konkreten Studie.
Trenne die Zustände sauber: „bibliografisch identifiziert“, „Volltext beschafft“ und „Belegstelle geprüft“. Setze keine Häkchen bei den letzten beiden Punkten, nur weil Suchmaschine oder KI den Titel nennen.
Wenn du eine Aussage ausschließlich über das gelesene Werk übernimmst, muss diese indirekte Herkunft nach deinem Zitierstil erkennbar sein. Der Chicago-B-Leitfaden der University of Newcastle empfiehlt das Original und erläutert für unverfügbare Originale eine Kennzeichnung der indirekten Übernahme. Die dortige Form ist ein Stilbeispiel, keine allgemeine Regel für jede Hochschule. Quelle: University of Newcastle Library, Secondary sources.
Speichere dieses Prüfblatt bei deinen Literaturnotizen. Ein Muster für die Dokumentation der weitergehenden Suche findest du unter Literaturrecherche protokollieren. Wenn die Ausgangsangabe von einer KI stammt und ihre Existenz unklar ist, starte stattdessen mit KI-Quellen prüfen.
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Karim Rabah, M.Eng., BA
Autor und Entwickler der 4-Stunden-Methode. Aus seiner Arbeit als Lektor entstand ein Kurs, der wissenschaftliche Arbeitsschritte am Beispiel zeigt. Hier findest du Anleitungen zum eigenen Umsetzen und zum verantwortlichen Einsatz von KI.
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