Prüfe KI-Literaturangaben in drei getrennten Schritten: Existiert die Veröffentlichung, stimmen die Angaben und belegt der Originaltext deine konkrete Aussage? Ein plausibler Titel oder ein funktionierender Link reicht dafür nicht.
Hier findest du eine Prüfroutine, mit der du Literaturhinweise kontrollierst und offene Punkte festhältst, bevor du sie in deiner Arbeit als Beleg verwendest.
Auf einen Blick
Die Veröffentlichung außerhalb des Chats finden.
Bibliografische Angaben und DOI mit dem tatsächlichen Ziel abgleichen.
Volltext, konkrete Belegstelle und Grenzen prüfen.
Generative KI kann Literaturangaben ausgeben, die echt wirken und dennoch erfunden sind. Außerdem können bei existierenden Veröffentlichungen Titel, Jahr oder andere Angaben falsch sein. Deshalb solltest du eine überzeugende Formatierung nicht mit einer erfolgreichen Quellenprüfung verwechseln.
Eine Originalstudie von Walters und Wilder aus dem Jahr 2023 untersuchte 636 Literaturangaben aus 84 erzeugten Literaturüberblicken zu 42 Themen. In diesem Korpus waren 55 Prozent der Angaben von GPT-3.5 und 18 Prozent der Angaben von GPT-4 erfunden. Auch bei realen Veröffentlichungen fanden die Forschenden bibliografische Fehler. Die Zahlen beschreiben die damaligen Modelle und den untersuchten Versuchsaufbau. Sie sind keine aktuellen Fehlerraten für jedes KI-Werkzeug. Quelle: Walters und Wilder, Scientific Reports, 2023.
Für deine Arbeit folgt daraus ein praktischer Grundsatz: Übernimm Literaturhinweise erst nach einer unabhängigen Prüfung. Ein neuer Prompt wie „Bist du sicher?“ ist kein unabhängiger Nachweis. Du brauchst einen auffindbaren Datensatz und anschließend den Text, auf den sich deine Aussage stützen soll.
Suche die Veröffentlichung außerhalb des Chats. Nutze den genauen Titel im Bibliothekskatalog, in einer Fachdatenbank oder auf einer Verlagsseite. Wenn du keinen Treffer findest, suche zusätzlich nach charakteristischen Titelwörtern und den genannten Autorinnen oder Autoren. Ein fehlender Treffer allein beweist noch keine Erfindung.
Gleiche die bibliografischen Angaben ab. Prüfe Titel, Namen, Jahr, Publikationsort und gegebenenfalls Band, Heft und Seiten. Eine echte Zeitschrift oder ein bekannter Name bestätigt nicht automatisch die gesamte Angabe. Verwende die Daten der gefundenen Veröffentlichung.
Prüfe den angegebenen Identifikator. Öffne eine DOI und vergleiche das Ziel mit der Literaturangabe. Führt sie zu einem anderen Artikel, ist der Verweis für deinen Zweck falsch. Das Vorhandensein einer DOI sagt außerdem noch nichts darüber aus, ob die Quelle zu deiner Behauptung passt.
Beschaffe und lies den relevanten Text. Kläre, auf welche Daten, Methode oder Argumentation sich das Ergebnis stützt. Für eine genaue Interpretation reicht ein Titel nicht aus; auch ein Abstract kann wichtige Einschränkungen auslassen. Nutze bei Zugangsproblemen die Angebote deiner Hochschulbibliothek.
Prüfe die konkrete Belegstelle. Suche die Passage, Tabelle oder Abbildung, die deine Aussage tragen soll. Stimmen untersuchte Gruppe, Kontext und Reichweite? Halte die Fundstelle fest und formuliere deine Aussage nur so weit, wie der Text sie unterstützt.
Die University of Illinois Library empfiehlt ebenfalls, Existenz, bibliografische Daten und die Übereinstimmung zwischen Originaltext und KI-Zusammenfassung zu kontrollieren. Sie weist zudem darauf hin, dass du den Zugriff eines Werkzeugs auf die zugrunde liegenden Texte berücksichtigen musst. Quelle: University of Illinois Library.
Angenommen, eine KI schreibt: „Die Studie zeigt, dass KI die Lernleistung um 30 Prozent verbessert.“ Dazu liefert sie einen Literaturhinweis. Dieses Beispiel ist frei formuliert und verweist auf keine bestimmte Studie.
Du findest die genannte Veröffentlichung tatsächlich. Damit ist erst die Existenz geklärt. Nun prüfst du: Was wurde als „Lernleistung“ gemessen? Gab es eine Vergleichsgruppe? Bezieht sich die Zahl auf Prozent oder Prozentpunkte? Wurde eine tatsächliche Leistung erhoben oder nur eine Selbsteinschätzung? Und auf welche Personen und Aufgabe beschränkt sich der Befund?
Vielleicht untersucht der Text nur eine einzelne Übung und berichtet eine bestimmte Kennzahl. Dann wäre eine allgemeine Aussage über das gesamte Studium zu weitgehend. Vielleicht steht die genannte Zahl überhaupt nicht im Text. In diesem Fall entfernst du die Behauptung oder ersetzt sie durch eine Aussage, die du tatsächlich belegen kannst. Eine existierende Quelle macht eine unzutreffende Zusammenfassung nicht richtig.
Führe eine einfache Quellentabelle mit den Spalten „Literaturangabe“, „Fundort“, „Volltext geprüft“, „relevante Aussage“, „Fundstelle“ und „offene Fragen“. Trenne unbestätigte Hinweise von Quellen, die du bereits gelesen hast. So erkennst du beim Schreiben, wo dir noch ein Beleg fehlt.
Ein hilfreicher Status ist etwa: „Veröffentlichung gefunden; bibliografische Daten abgeglichen; Ergebnisteil gelesen; Beleg auf Seite 12; Einschränkung auf eine kleine Stichprobe beachten.“ Ein bloßes Häkchen bei „geprüft“ wäre weniger aussagekräftig. Speichere außerdem eine nachvollziehbare bibliografische Angabe in deiner Literaturverwaltung.
Boston University Libraries empfiehlt, KI-Aussagen über vertrauenswürdige Quellen zu prüfen und zu den Originalen zurückzuverfolgen. Genau das soll deine Tabelle erleichtern. Quelle: Boston University Libraries. Für die vorgelagerte Eingrenzung lies auch Forschungsfrage mit KI schärfen.
Markiere sie als unbestätigt. Suche mit Varianten und weiteren Angaben und frage bei Bedarf deine Bibliothek. Bis du die Veröffentlichung identifiziert und ihren Inhalt geprüft hast, verwende sie nicht als Beleg.
Ein funktionierender Link bestätigt zunächst nur ein erreichbares Ziel. Vergleiche die Veröffentlichung mit der Literaturangabe und prüfe anschließend, ob der Inhalt deine Aussage unterstützt.
Wie du Recherche, eigene Argumentation und Überarbeitung verbindest, zeigt der Arbeitsablauf für eine Bachelorarbeit mit KI.
Dein eigener Text ist bereits fertig? Wenn du persönliche Hinweise für die Überarbeitung suchst, kannst du ein separates Expertenfeedback anfragen. Prüfe vorher, ob diese Leistung bereits in deinem gebuchten Paket enthalten ist.
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Karim Rabah, M.Eng., BA
Autor und Entwickler der 4-Stunden-Methode. Aus seiner Arbeit als Lektor entstand ein Kurs, der wissenschaftliche Arbeitsschritte am Beispiel zeigt. Hier findest du Anleitungen zum eigenen Umsetzen und zum verantwortlichen Einsatz von KI.