Korrekturen und Retraktionen: Studien vor dem Zitieren prüfen

Korrekturen und Retraktionen: Studien vor dem Zitieren prüfen

Ob eine Studie korrigiert oder zurückgezogen wurde, prüfst du am besten an ihrer aktuellen Verlagsseite und den dort verlinkten Hinweisen. Ein gespeichertes PDF kann einen älteren Stand zeigen. Entscheidend ist, was geändert wurde und ob du die betroffene Aussage noch verwenden kannst.

Eine Rücknahme ist nicht automatisch ein Beweis für absichtliches Fehlverhalten. Umgekehrt bedeutet ein fehlender Warnhinweis nicht, dass eine Studie zuverlässig ist. Mit dem folgenden Ablauf kannst du den Status nachvollziehbar prüfen und in deinen Literatur-Notizen dokumentieren.

Auf einen Blick

  • Korrektur, „Expression of Concern“ und Rücknahme haben unterschiedliche Bedeutungen.
  • Öffne den verlinkten Hinweis und prüfe seine Folgen für deine konkrete Aussage.
  • Halte Version, Prüfdatum und Entscheidung fest; ein leerer Suchtreffer ist keine Qualitätsfreigabe.

Was bedeuten Korrektur, Bedenkenhinweis und Rücknahme?

Die Begriffe können sich zwischen Zeitschriften unterscheiden. Lies deshalb den tatsächlichen Hinweis. PLOS beschreibt in seiner eigenen Richtlinie unter anderem folgende Formen: Quelle: PLOS, Corrections, Expressions of Concern, and Retractions.

  • Korrektur: Der Hinweis berichtigt oder ergänzt bestimmte Angaben. Bei PLOS können darunter auch wichtige Metadaten oder Erklärungen fallen. Wie stark deine verwendete Aussage betroffen ist, ergibt sich erst aus dem Inhalt.
  • Expression of Concern: Ein redaktioneller Bedenkenhinweis macht auf ernsthafte offene Fragen aufmerksam. Nach der PLOS-Richtlinie ändert er allein den Veröffentlichungsstatus des Artikels nicht.
  • Retraction: Eine Rücknahme kennzeichnet grundlegende Probleme beziehungsweise Gründe, die im zugehörigen Hinweis erläutert werden. Eine solche Entscheidung kann auch auf unbeabsichtigten Fehlern beruhen.

Die ICMJE unterscheidet ebenfalls zwischen korrigierbaren Fehlern und Problemen, die Ergebnisse oder Schlussfolgerungen entkräften können. Diese Empfehlungen stammen aus dem medizinischen Publikationsbereich. Sie verdeutlichen, warum „korrigiert“ und „zurückgezogen“ nicht austauschbar sind. Quelle: ICMJE, Corrections and Version Control.

Wie findest du den aktuellen Veröffentlichungsstand?

  1. Identität abgleichen. Nimm Titel, Autorenschaft und DOI deiner Quelle. Prüfe, ob du wirklich denselben Artikel und nicht eine ähnlich betitelte Veröffentlichung geöffnet hast.
  2. Die aktuelle Artikelseite lesen. Folge der DOI zur Verlagsseite. Achte auf Hinweise oberhalb des Texts, verknüpfte Artikel, Versionsangaben und Begriffe wie „Correction“, „Erratum“, „Retraction“ oder „Expression of Concern“.
  3. Crossmark öffnen, falls vorhanden. Der Crossmark-Knopf kann registrierte Aktualisierungen anzeigen. Öffne den verlinkten Hinweis; die bloße Anwesenheit des Symbols ist keine Garantie für vollständige oder problemfreie Inhalte.
  4. Zusätzliche Nachweise suchen. Nutze gegebenenfalls die Datenbank deines Fachs. PubMed verknüpft beispielsweise Originalartikel mit verschiedenen Korrektur- und Rücknahmehinweisen. Das gilt für die dort erfassten Datensätze, nicht für sämtliche wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
  5. Auch ohne Treffer weiter inhaltlich prüfen. Dokumentiere, wo du gesucht hast. Schreibe „kein Hinweis bei dieser Prüfung gefunden“ und nicht „Studie garantiert fehlerfrei“.

Die Funktion und ihre Grenzen beschreibt Crossref selbst für Crossmark. Die Verknüpfungen in PubMed erklärt die National Library of Medicine. Als zusätzliche Recherchemöglichkeit stellt Crossref Retraction-Watch-Daten bereit; Korrekturen und Bedenkenhinweise sind dort weniger umfassend erfasst als Rücknahmen. Quelle: Crossref, Retraction Watch.

Vier Schritte: DOI oder Verlagsseite öffnen; Korrektur- oder Rücknahmehinweis lesen; betroffene Aussage neu bewerten; Prüfdatum und Entscheidung notieren. Ein fehlender Hinweis ist keine Entwarnung.
Eigener Arbeitsablauf, keine vollständige Statusgarantie. Hinweise auf Korrekturen und Rücknahmen immer inhaltlich lesen und die konkrete eigene Verwendung erneut prüfen.

Was machst du mit einem gefundenen Hinweis?

Lege den Hinweis neben die Stelle, die du in deiner Arbeit verwendest. Frage: Betrifft die Änderung genau diese Zahl, Tabelle, Personengruppe, Auswertung oder Schlussfolgerung? Prüfe außerdem, ob sich deine eigene Argumentation auf weitere Angaben desselben Artikels stützt.

Bei einer Korrektur kannst du die geänderte Fassung und den Hinweis gemeinsam lesen und deine Notiz oder Formulierung anpassen. Bei einer Rücknahme verwende den betroffenen Artikel nicht unkommentiert als zuverlässigen Beleg für den zurückgenommenen Befund. Soll die Rücknahme selbst dein Untersuchungsgegenstand sein, ist das ein anderer Verwendungszweck: Dann muss der Status ausdrücklich erkennbar bleiben.

Bei ungeklärten Bedenken solltest du daraus keinen eindeutigen Befund ableiten. Suche weitere einschlägige Forschung und besprich die Behandlung einer zentralen, unsicheren Quelle gegebenenfalls mit deiner Betreuung. Die konkrete Zitierweise für Version und Hinweis richtet sich nach den Vorgaben deines Studiengangs.

Beispiel: Eine korrigierte Tabelle verändert deine Arbeitsnotiz

Konstruierter Übungsfall: In deinem Entwurf steht, dass eine untersuchte Gruppe häufiger ein bestimmtes Lernangebot nutzt als eine andere. Der spätere Korrekturhinweis erklärt, dass die beiden Gruppenüberschriften in einer Tabelle vertauscht waren.

Es reicht hier nicht, das Wort „Korrektur“ hinter die Quelle zu schreiben. Prüfe die geänderte Tabelle und den Ergebnisteil. Deine Aussage kann sich umkehren oder ganz entfallen. Suche im eigenen Dokument nach weiteren Stellen, die dieselbe Tabelle verwenden, und überarbeite sie zusammen.

Eine passende Arbeitsnotiz lautet: „Korrekturhinweis am [Prüfdatum] gelesen; Gruppenbezeichnungen in TabelleX betroffen. Bisherige Vergleichsaussage bis zur Prüfung der geänderten Fassung ausgesetzt.“ Das Beispiel enthält keine echte Studie und keine geprüften Daten.

Welche Angaben gehören in deinen Statuscheck?

  • DOI und genaue Artikelfassung.
  • Datum und Orte deiner Prüfung, etwa Verlagsseite und Fachdatenbank.
  • Titel oder DOI eines gefundenen Hinweises.
  • Betroffene Stellen und Folgen für deine eigene Aussage.
  • Entscheidung: weiter prüfen, überarbeiten, als Beleg ersetzen oder Status ausdrücklich diskutieren.

Die National Library of Medicine trennt in ihrer Datenbankkennzeichnung nicht zwischen einer Rücknahme wegen ehrlichen Fehlers und einer wegen Fehlverhaltens. Leite deshalb aus dem Etikett allein keine Beschuldigung ab. Lies die dokumentierten Gründe. Quelle: NLM, Retractions and Retraction Notices.

Den Statuscheck kannst du direkt in deine vorhandene Dokumentation der Literaturrecherche aufnehmen. Wenn dir noch das Original fehlt, beginne mit dem Zurückverfolgen eines zitierten Befunds.

Wenn du deinen eigenen Entwurf bereits nach einem Korrekturhinweis überarbeitet hast und persönliche Hinweise zur neuen Fassung möchtest, kannst du Expertenfeedback zu deiner überarbeiteten Fassung anfragen. Den aktuellen Publikationsstatus deiner Quellen prüfst du selbst am Original. Prüfe auf der Leistungsseite die Teilnehmerbedingungen und Verfügbarkeit; bei einem gebuchten Kurspaket prüfe auch, ob Feedback bereits enthalten ist.

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Autor

Karim Rabah, M.Eng., BA

Autor und Entwickler der 4-Stunden-Methode. Aus seiner Arbeit als Lektor entstand ein Kurs, der wissenschaftliche Arbeitsschritte am Beispiel zeigt. Hier findest du Anleitungen zum eigenen Umsetzen und zum verantwortlichen Einsatz von KI.

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